BISMARCKQUARTIER WÜRZBURG: ENTSCHEIDUNG FÜR ENTWURF VON BAUMSCHLAGER EBERLE GEFALLEN

Würzburg am 01.08.2018 PDF-Version

Würzburg, 01.08.2018 – Nach einer Überarbeitung der beiden Siegerentwürfe, die aus dem städtebaulichen Realisierungswettbewerb um das bismarckquartier in Würzburg hervorgegangen sind, ist nun eine Entscheidung getroffen worden. Die Wahl fiel auf den Entwurf des Büros baumschlager eberle architekten aus Lustenau in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten Planstatt Senner aus Überlingen.

 

Der Preisgerichtsvorsitzende Prof. Kunibert Wachten, Architekt und Stadtplaner aus Dortmund, erklärt die Preisgerichtsentscheidung: „Sich zwischen zwei städtebaulich und gestalterisch hochwertigen Konzepten entscheiden zu müssen, tat fast ein wenig weh. Letztendlich haben drei Entwurfsqualitäten den Ausschlag für eine Entscheidung für das Konzept des Teams um baumschlager eberle architekten gegeben. Die Idee, zur Bismarckstraße „Kopfgebäude“ auszubilden, die den Maßstab der benachbarten Villen aufnehmen, führt zu einer selbstverständlich wirkenden Einfügung. Die Höhenentwicklung der Gebäude ist so gestaltet, dass in den Straßenräumen wie in den Innenhöfen in den Wohnbereichen Behaglichkeit erzeugt wird. Und schließlich ist die Anordnung der Tiefgarage gestalterisch und wirtschaftlich gut gewählt. So realisiert, ist das bismarckquartier ein Gewinn für Würzburg.“

 

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen,“ ergänzt Dr. Alexander Weigand, geschäftsführender Gesellschafter der beethovengruppe, dem Projektentwickler des Areals, „zudem bietet die Entwicklung des Standorts einige Herausforderungen, die es zu berücksichtigen gilt. Entsprechend anspruchsvoll war die Aufgabenstellung an die Stadtplaner und Architekten. Sowohl die Entwürfe von Rapp+Rapp aus Amsterdam als auch von baumschlager eberle architekten aus Lustenau bieten sehr gute Lösungsansätze. Ausschlaggebend waren hier letzten Endes Details, wie die harmonischere Volumengliederung und die städtebauliche Integration der Baumassen zur Harfen-/ Schönleinstraße und zum Stein hin, sowie die gelungene Aufnahme der Villentypologie hin zur Bismarckstraße.“

 

Die Würzburger beethovengruppe entwickelt auf einer bisher gewerblich genutzten 3,35 ha großen Fläche am Hauptbahnhof ein urbanes, mischgenutztes Quartier mit vielfältigen Angeboten für Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Geplant sind unter anderem Büros, Wohnungen, Hotels sowie Nahversorgung. Wichtig ist dem Projektentwickler dabei vor allem die sensible Einbettung der Architektur in das städtebauliche und landschaftsgestalterische Umfeld sowie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten. Daher waren einige der Kriterien des Wettbewerbs auch, eine Beziehung zum Würzburger Stein und zum Ringpark herzustellen. Dies geschah in Zusammenarbeit mit einem Landschaftsarchitekten, um möglichst viele Erholungsflächen mit entsprechender Begrünung zu schaffen und die Bauten in das vorhandene Raum- und Nutzungsgefüge so harmonisch wie möglich zu integrieren. Ferner soll das Quartier weitestgehend autofrei werden.

 

„Zudem wird eine DGNB-Zertifizierung für nachhaltiges Bauen in Gold angestrebt“, fügt Herr Weigand an und fährt fort: „Insbesondere das Thema Stadtklima erfährt eine deutliche Verbesserung gegenüber der Ist-Situation. Im Vergleich zur bestehenden Bebauung mit einem massiven, undurchlässigen Baukörper sind aufgrund der Aufteilung in mehrere Baukörper im Entwurf Lüftungsschneisen vorhanden. Die vorgeschlagene Begrünung in den Innenhöfen, auf den Dächern als auch der Straßenzüge trägt zu einer geringeren Oberflächentemperatur und damit zu einer geringeren Wärmeabstrahlung der Gebäude bei.“

 

„Im Entwurf von baumschlager eberle wurden die Anforderungen sehr gut umgesetzt. Vier Bauabschnitte, die sich zur Bismarckstraße hin öffnen. Durch diese Form der künftigen Baukörper entstehen neue Blickbeziehungen zum Ringpark und Sichtachsen zum Stein. Dies bildet eine starke städtebauliche Basis. Diese teilgeöffnete Blockrandbebauung bietet genügend städtische Durchlässigkeit bei gleichzeitiger Intimität für die Bewohner. Hier entstehen begrünte Wegebeziehungen, mit Bäumen und Büschen auf den Freiflächen sowie extensiv bepflanzte Dächer die Atmosphäre und ein gutes Klima schaffen. Die unterschiedlichen Fassaden der modernen Stadthäuser fügen sich gut in die Umgebungsarchitektur ein. Terrassen für Cafés und Ateliers ziehen öffentliches Leben an. Schön ist auch die Idee des Wasserlaufes als Hommage an die Pleichach. Die Nutzungsverortung ist ebenso sehr durchdacht: Dienstleistung und Gastronomie sind zur Bismarckstraße hin im Erdgeschoss vorgesehen, ebenso wird es Nutzungsmöglichkeiten für eine Kita geben. Zum Hauptbahnhof hin entsteht ein neues Ensemble, dies bildet mit dem sanierten ehemaligen Posthochhaus und einem neuen Gebäude mit Hotelnutzung und Nahversorgung im Sockelgeschoss den Auftakt zum bismarckquartier. „Der Harfentunnel wird deutlich verkürzt, sodass er keinen Angstraum mehr darstellt und man stattdessen vom bismarckquartier aus direkt in die Weinberge gelangt“, so Niko Rotschedl, geschäftsführender Gesellschafter der beethovengruppe, und

 

Professor Christian Baumgart, Stadtbaurat der Stadt Würzburg fügt hinzu: „Die Pläne von baumschlager eberle sind von sehr hoher stadtplanerischer Qualität. Aus den erarbeiteten Lösungsansätzen wird deutlich, dass die Beteiligten die Bedürfnisse aller im Blick hatten und sich viele Gedanken gemacht haben, wie das neue bismarckquartier eine Bereicherung für alle sein kann. Die Anforderungen, die heute an Stadtquartiere gestellt werden, sind sehr vielfältig. Dem wird bei dem Entwurf des bismarckquartiers in beispielhafter Weise Rechnung getragen.“

 

Auch Christian Schuchardt, Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, lobt den Entwurf: „Mit dem bismarckquartier wird nicht nur der Standort stark aufgewertet. Es wird ein Angebot geschaffen, das es so im Stadtgebiet noch nicht gibt und von dem alle profitieren werden. Wir freuen uns sehr, dass die beethovengruppe als privater Projektentwickler diese Verantwortung mitträgt und uns bei der nachhaltigen Stadtentwicklung unterstützt.

 

„Beide Wettbewerbsteilnehmer haben in ihrer fachlichen Arbeit und mit ihrer Präsentation ihre Konzepte nochmals geschärft. Im Vergleich konnte sich das büro baumschlager und Eberle mit der überzeugenderen Unterbringung der Baumasse auf dem Areal einen Vorteil erarbeiten. Auch die genaue Konzeption der nach Süden ausgerichteten Innenhöfe bilden bei diesem Beitrag einen wichtigen und gelungenen Aspekt. Ebenfalls ist die Nutzung der obersten Geschosse aus meiner Sicht hier etwas besser gelungen. Gleichwohl sind insbesondere die Quartiersstraßen bzgl. der genauen Ausrichtung, der Breiten und auch in der Ausgestaltung dieser Freiräume nochmals einer Betrachtung zu unterziehen“,  fasst Benjamin Schneider,  designierter Baureferent Stadt Würzburg, den Ausgang des Realisierungswettbewerb nochmals zusammen.

 

BISMARCKQUARTIER

Das bismarckquartier im Stadtbezirk Altstadt, Stadtteil Äußere Pleich, ist die gegenwärtig größte innerstädtische Quartiersentwicklung in Würzburg. Auf einer Fläche von ca. 3,35 Hektar entsteht angrenzend an den Hauptbahnhof, gegenüber dem Ringpark und in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt ein neues mischgenutztes Stadtteilquartier.

Die aktuelle Planung sieht die Realisierung der Nutzungen Wohnen, Büro, Hotel und Nahversorgung sowie eine Tiefgarage vor. Der Projektentwickler, die Würzburger Beethovengruppe, plant zudem, das Quartier autofrei umzusetzen und viele Grün- und Erholungsflächen zu schaffen. Der Start der Bauphase des bismarckquartiers ist für 2020 geplant.

 

BEETHOVENGRUPPE

Die Projektentwicklungsgesellschaft beethovengruppe mit Sitz in Würzburg hat sich auf die Entwicklung von städtischen Konversionsflächen und die Revitalisierung von großen Denkmalimmobilien spezialisiert. Das interdisziplinäre Team um die beiden Geschäftsführer Dr. Alexander Weigand und Niko Rotschedl hat sich zum Ziel gesetzt, Lebens- und Arbeitsräume von hoher Qualität zu schaffen. So konnten in den letzten Jahren über 100.000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen realisiert werden, unter anderem das Alte E-Werk in Würzburg, die Konversionsfläche Lehrhöfer Park in Hanau sowie das laufende Projekt ehemaliger Magazinhof in Kassel. Das jüngste Projekt der Gruppe ist das bismarckquartier, die größte innerstädtische Quartiersentwicklung Würzburgs.

 

www.beethovengruppe.de